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Tätigkeit und Haushalt des Bundesrechnungshofes

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1 Der Bundesrechnungshof

Der Bundesrechnungshof ist eine oberste Bundesbehörde und als unabhängiges Organ der staatlichen Finanzkontrolle nur dem Gesetz unterworfen. Die Mitglieder des Bundesrechnungshofes sind richterlich unabhängig, d. h. sie sind bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben nicht an Weisungen gebunden. Mitglieder sind der Präsident, der Vizepräsident und die Leiterinnen und Leiter der Prüfungsabteilungen und der Prüfungsgebiete.

Der Bundesrechnungshof hat seinen Sitz in Bonn und verfügt über eine Außenstelle in Potsdam. Im Zuge einer Strukturreform hat er seine sieben bislang eigenständigen Prüfungsämter mit Beginn des Jahres 2017 in unselbstständige Außenstellen umgewandelt. Dadurch hat er eine Hierarchieebene abgeschafft und das Personal der Prüfungsämter unmittelbar in seine neun Prüfungsabteilungen mit den insgesamt 50 Prüfungsgebieten integriert. Gleichzeitig hat er die Verteilung der Aufgaben neu geordnet. Dabei wurden fachlich nahe stehende Aufgabenbereiche gebündelt und stärker als bisher auf wesentliche Politikfelder sowie auf die Herausforderungen der sich wandelnden Bundesverwaltung ausgerichtet.

Die Rechnungshöfe Österreichs, der Schweiz und der Niederlande haben die Strukturreform des Bundesrechnungshofes beratend begleitet (sog. „Peer Consultation“).

Der Bundesrechnungshof lässt die Rolle der externen Finanzkontrolle in der Zeit von 1933 bis zu den Anfängen des Bundesrechnungshofes in den 1950er-Jahren wissenschaftlich untersuchen. In einem ersten Schritt hat er mit einer Explorationsstudie den hierfür in Frage kommenden Archivbestand gesichtet und dokumentiert. Auf dieser Grundlage werden nun Rolle, Funktion und Wirksamkeit der externen Finanzkontrolle in der Zeit des Nationalsozialismus erforscht.

2  Prüfungstätigkeit

2.1      Prüfungsrechte

Der Bundesrechnungshof prüft die Rechnung sowie die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes einschließlich seiner Sondervermögen und Betriebe. Geprüfte Stellen sind dabei insbesondere die Bundesministerien und die ihnen nachgeordneten Bundesbehörden. Prüfungsrechte hat er zudem bei bundesunmittelbaren juristischen Personen des öffentlichen Rechts sowie bei den Trägern der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Daneben prüft er auch die Bundesagentur für Arbeit.

Die Prüfung der Haushaltsführung umfasst die Ausführung des Haushaltsgesetzes und des Haushaltsplans sowie die Buchführung und Rechnungslegung. Die Prüfung der Wirtschaftsführung erstreckt sich auf die gesamte finanzwirtschaftliche Betätigung des Bundes. Politische Entscheidungen innerhalb des geltenden Rechts beurteilt der Bundesrechnungshof hingegen nicht. Er kann aber prüfen und berichten, ob die der politischen Entscheidung zugrunde liegenden Annahmen zutreffen und ob eine in diesem Zusammenhang beschlossene Maßnahme die beabsichtigte Wirkung entfaltet.

Der Bundesrechnungshof ist auch berechtigt, Informationen für seine Prüfungen außerhalb der Bundesverwaltung zu erheben. Dies gilt beispielsweise für Stellen, die Aufgaben im Auftrag des Bundes erledigen, Bundesmittel verwalten oder Zuwendungen erhalten. Dazu führt er auch Erhebungen bei Ländern, Kommunen, Unternehmen, Stiftungen oder Vereinen durch. Der Bundesrechnungshof untersucht dabei, ob die Stellen die Mittel bestimmungsgemäß und wirtschaftlich verwenden. Bei Zuwendungen kann sich die Prüfung auch auf die sonstige Haushalts- und Wirtschaftsführung des Empfängers erstrecken, wenn der Bundesrechnungshof dies für notwendig hält.

Die Betätigung des Bundes bei privaten Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, prüft der Bundesrechnungshof unter Beachtung kaufmännischer Grundsätze. Dabei prüft er nicht die Unternehmen selbst, sondern die Stellen innerhalb der Bundesverwaltung, die die Beteiligung an dem Unternehmen verwalten. Das sind zumeist die Bundesministerien. Ausgangspunkt für die Betätigungsprüfung sind die Berichte der jeweiligen Bundesministerien an den Bundesrechnungshof. Der Bund als Anteilseigner kann zudem verlangen, dass der Abschlussprüfer im Zuge der Jahresabschlussprüfung auch die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens beurteilt. Soweit sich daraus prüfungswürdige Hinweise ergeben, greift der Bundesrechnungshof sie bei der Betätigungsprüfung auf.

2.2      Prüfungsmaßstäbe: Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit

Nach Artikel 114 Absatz 2 Grundgesetz prüft der Bundesrechnungshof die Wirtschaftlichkeit und die Ordnungsmäßigkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung. Die Prüfungsmaßstäbe des Bundesrechnungshofes sind damit grundgesetzlich verankert.

Bei der Prüfung der Wirtschaftlichkeit untersucht der Bundesrechnungshof das Verhältnis von Nutzen und Kosten und geht der Frage nach, ob die geprüften Stellen ihre personellen und materiellen Ressourcen wirtschaftlich einsetzen. Außerdem hinterfragt er, ob sie den Erfolg ihrer Maßnahmen kontrollieren und ob die mit den Maßnahmen verfolgten Ziele tatsächlich erreicht werden. Bei der Prüfung der Ordnungsmäßigkeit achtet er darauf, ob die geprüften Stellen bei der Haushalts- und Wirtschaftsführung die geltenden Normen und Grundsätze sowie den Haushaltsplan einhalten.

2.3      Prüfungsschwerpunkte und Prüfungsverfahren

Der Bundesrechnungshof ist bei der Wahl seiner Prüfungsthemen und bei der Gestaltung seiner Prüfungen unabhängig. Sein Hauptziel ist es, einen aussagekräftigen Überblick über die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes zu gewinnen und prüfungsfreie Räume zu vermeiden. Er kann Prüfungsschwerpunkte setzen und Prüfungen auf Stichproben beschränken. Daneben berücksichtigt er auch Prüfungs- und Beratungsersuchen des Parlaments und seiner Ausschüsse.

Art und Zeitpunkt seiner Prüfungen bestimmt er selbst. Er nimmt in der Regel Erhebungen an Ort und Stelle vor. Auskünfte sind ihm zu erteilen. Akten, Belege und Daten sind ihm offenzulegen.

Mit Nachfrageverfahren und durch Kontrollprüfungen überwacht der Bundesrechnungshof, was die geprüften Stellen unternommen haben, um Mängel abzustellen oder Verfahren zu verbessern. Er hinterfragt außerdem, ob sie die vom Parlament erteilten Auflagen erfüllen.

Im Jahr 2015 hat der Bundesrechnungshof den Bundesministerien, den sonstigen geprüften Stellen und dem Parlament die Ergebnisse seiner Prüfungen in mehr als 1 400 Prüfungsmitteilungen, Berichten und Bemerkungen mitgeteilt.

2.4      Veröffentlichung von Prüfungsergebnissen

Der Bundesrechnungshof teilt seine Prüfungsfeststellungen grundsätzlich der geprüften Stelle mit und erörtert sie mit ihr. Auf dieser Grundlage stellt er das Prüfungsergebnis abschließend fest. Dies kann er unter bestimmten Voraussetzungen Dritten zugänglich machen (§ 96 Absatz 4 Bundeshaushaltsordnung – BHO). Aus den Akten über das Prüfungs- und Beratungsverfahren dürfen hingegen keine Informationen an Dritte weitergegeben werden. Dies schützt den sensiblen Beratungs- und Entscheidungsfindungsprozess im Bundesrechnungshof.

 

3  Beratungstätigkeit

3.1      Beratung durch den Bundesrechnungshof

Der Bundesrechnungshof kann aufgrund von Prüfungserfahrungen den Deutschen Bundestag, den Bundesrat, die Bundesregierung und einzelne Bundesministerien beraten (§ 88 Absatz 2 BHO). Zudem kann er den Deutschen Bundestag, den Bundesrat und die Bundesregierung jederzeit über Angelegenheiten von besonderer Bedeutung unterrichten (§ 99 Satz 1 BHO).

Die Haushaltsaufstellung unterstützt der Bundesrechnungshof, indem er Regierung und Parlament auf finanziell bedeutsame Entwicklungen und mögliche Problemfelder im Gesamthaushalt und in den Einzelplänen hinweist.

Mehrere Vorschriften der BHO sehen zudem vor, dass der Bundesrechnungshof anzuhören oder zu unterrichten ist. In vielen Fällen nimmt er dann Stellung. Beispiele dafür sind:

  • Erlass von Förderrichtlinien der Bundesministerien,
  • Erlass oder Änderung von Finanzvorschriften internationaler Organisationen, in denen Deutschland Mitglied ist,
  • Änderungen bei Beteiligungen des Bundes an privatrechtlichen Unternehmen,
  • Vereinbarungen über die Bewirtschaftung von Bundesmitteln, z. B. mit Projektträgern.


3.2      Beratung durch den Präsidenten des Bundes­rechnungshofes als Bundesbeauftragter für
           Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung

Der Präsident des Bundesrechnungshofes ist traditionell zugleich Bundesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung (BWV). Er achtet auf eine wirtschaftliche Erfüllung der Bundesaufgaben und eine effiziente Organisation der Bundesverwaltung. Der BWV nutzt bei seiner Tätigkeit vor allem die Prüfungserkenntnisse und Erfahrungen des Bundesrechnungshofes.

Zu den Schwerpunkten der Arbeit des BWV gehört es, Regierung und Parlament über die Auswirkungen von Rechtsvorschriften auf die Wirtschaftlichkeit des Verwaltungshandelns zu beraten. Die Bundesministerien sind gehalten, ihn zu diesem Zweck frühzeitig bei der Erarbeitung von Gesetzesvorlagen sowie bei Entwürfen von Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften zu beteiligen. Hat der BWV zu einem Entwurf eine abweichende Meinung, ist hierauf im Anschreiben zur Kabinettvorlage hinzuweisen. Die Rechtsgrundlage hierfür sind die „Richtlinien für die Tätigkeit der oder des Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung“. Die Bundesregierung hat sie im Jahr 2016 im Einvernehmen mit dem BWV aktualisiert.

Die Bundesministerien haben den BWV im Jahr 2015 an fast 600 Rechtsetzungsvorhaben beteiligt. Er gab dazu mehr als 50 teils umfangreiche Stellungnahmen ab. Seine Vorschläge sind in unterschiedlichem Umfang in das weitere Rechtsetzungsverfahren eingeflossen. Seit dem Jahr 2015 hat der BWV mit mehreren Berichten kontinuierlich seine Empfehlungen zur Neuregelung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und Ländern in die laufende Diskussion eingebracht.

Der BWV veröffentlicht außerdem Leitsätze der externen Finanzkontrolle. Damit möchte er grundsätzliche Feststellungen des Bundesrechnungshofes für die Verwaltung besser nutzbar machen und den Entscheidungsträgern helfen, typische Fehler künftig zu vermeiden. Die Leitsatzsammlung gliedert sich in verschiedene Themenbereiche (z. B. Personal, Zuwendungen, Vergaben). Sie umfasst derzeit 45 Leitsätze und wird kontinuierlich aktualisiert und erweitert. Alle Veröffentlichungen des BWV wie auch des Bundesrechnungshofes sind über die Internetseite des Bundesrechnungshofes abrufbar.[1]

 

4  Zusammenarbeit mit den Landesrechnungshöfen

Die Finanzsysteme des Bundes und der Länder sind eng verflochten. Deswegen überschneiden sich häufig die Zuständigkeiten des Bundesrechnungshofes und der Landesrechnungshöfe. Um die Prüfungstätigkeit effizient zu gestalten und Doppelprüfungen sowie prüfungsfreie Räume zu vermeiden, arbeiten die Rechnungshöfe unter Wahrung ihrer Unabhängigkeit zusammen.

Halbjährlich beraten die Präsidentinnen und die Präsidenten der Rechnungshöfe des Bundes und der Länder über Fragen von gemeinsamem Interesse in einer Präsidentenkonferenz. Ziel ist es, innerhalb der Finanzkontrolle abgestimmte Positionen herbeizuführen, Prüfungsvereinbarungen abzuschließen und sich wechselseitig zu informieren. Die Präsidentenkonferenz hat Arbeitskreise der Rechnungshöfe eingesetzt. Diese befassen sich z. B. mit den Themen Haushaltsrecht, Steuern, Beteiligungen, Bau, Organisation, Informationstechnik, Soziales und Personal.

Die Präsidentenkonferenz hat sich in ihrer Sitzung im April 2016 u. a. mit den Auswirkungen steigender Kosten für Flüchtlinge und Asylbegehrende auf die öffentlichen Haushalte beschäftigt. Hierbei galt es vor allem, die gesellschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Herausforderungen für Bund, Länder und Kommunen zu ermitteln. Dazu hat der Bundesrechnungshof eigens eine „Projektgruppe Flüchtlinge und Asylbegehrende“ eingerichtet und der Präsidentenkonferenz vorgestellt. In der Projektgruppe wirken auch Vertreter der Landesrechnungshöfe mit. Sie soll dem koordinierten Austausch bedeutsamer Erkenntnisse, Informationen und Prüfungsansätze zu Lasten und Leistungen im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Asylbegehrenden dienen.

Die Europäische Kommission strebt einheitliche und verbindliche europäische Rechnungslegungsgrundsätze für den öffentlichen Sektor (European Public Sector Accounting Standards – EPSAS) in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union an. Die Präsidentenkonferenz hat sich wiederholt mit der Einführung von EPSAS befasst. Sie hat u. a. angemahnt, nur auf der Basis einer fundierten Prüfung der Notwendigkeit und Wirksamkeit über die Einführung von EPSAS zu entscheiden und eine Unterarbeitsgruppe EPSAS unter dem Vorsitz des Bundesrechnungshofes eingerichtet.

Die Rechnungshöfe tauschen regelmäßig auch Informationen über ihre EU-bezogenen Prüfungstätigkeiten aus und stimmen sich bei ihren Prüfungen ab. Eine eigens dafür eingerichtete EU-Prüfungsdatenbank vermittelt einen Überblick über die Prüfungstätigkeiten der Rechnungshöfe – auch des Europäischen Rechnungshofes (ERH) – mit EU-Bezug in Deutschland. In der gemeinsamen Arbeitsgruppe „Europa“ diskutieren der Bundesrechnungshof und die Rechnungshöfe der Länder über die für die externe Finanzkontrolle in Deutschland bedeutsamen europäischen Entwicklungen.

 

5 Internationales

Der Bundesrechnungshof prüft im internationalen Kontext. Er tauscht sich hierzu mit den Obersten Rechnungskontrollbehörden (ORKB) anderer Staaten fachlich aus, beteiligt sich an multilateralen Gremien und arbeitet an internationalen Prüfungsstandards mit. Sein Wissen und seine Erfahrung gibt er an ORKB mit Unterstützungsbedarf weiter.

5.1      International ausgerichtete Prüfungen

Seit dem 1. Juli 2016 ist der Präsident des Bundesrechnungshofes für sechs Jahre Mitglied im Rat der Rechnungsprüfer der Vereinten Nationen (UN BoA)[2]. Neben dem Präsidenten des Bundesrechnungshofes sind darin gegenwärtig die Präsidenten der Rechnungshöfe Indiens und Tansanias als Mitglieder vertreten.

Das UN BoA ist der zentrale Prüfungsausschuss der Vereinten Na­tionen. Es prüft und bestätigt die Jahresabschlüsse von über 20 UN-Organisationen sowie der UN-Friedensmissionen. Für letztere ist der Bundesrechnungshof federführend zuständig. Ein erster Prüfungsbericht hierzu ist bereits veröffentlicht und auf der Internetseite des UN BoA abrufbar.[3] Daneben zählen insbesondere das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Ver­brechensbekämpfung (UNODC) und die UN University (UNU) zum Prüfungsportfolio des Bundesrechnungshofes.

Darüber hinaus nimmt der Bundesrechnungshof weitere Abschlussprüfungsmandate bei inter- und supranationalen Organisationen wahr. So ist der Präsident des Bundesrechnungshofes derzeit Abschlussprüfer bei der Europäischen Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT), der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) und der Welthandelsorganisation (WTO). Zusätzlich sind Prüferinnen und Prüfer des Bundesrechnungshofes mit der Abschlussprüfung bei mehreren kleineren Organisationen beauftragt.

Der ERH prüft in Zusammenarbeit mit nationalen ORKB in den Mitgliedstaaten die Rechnung über alle Einnahmen und Ausgaben der Europäischen Union. Im Jahr 2015 lag hier das Haushalts­volumen bei insgesamt 141,3 Mrd. Euro. Der Bundesrechnungshof begleitet den ERH bei Prüfungen in Deutschland. Er wertet dessen Prüfungsberichte aus und leitet sie ggf. den Landesrechnungshöfen zu. Außerdem informiert er den ERH über die Ergebnisse von Prüfungen mit EU-Bezug, die er oder die Landesrechnungshöfe durchgeführt haben.

Gemeinsam mit den ORKB anderer EU-Mitgliedstaaten führt der Bundesrechnungshof sogenannte koordinierte Prüfungen durch. Dabei prüfen die Rechnungshöfe auf der Grundlage eines gemeinsamen Konzepts inhaltlich und zeitlich abgestimmt in den jeweiligen Mitgliedstaaten.

5.2      Austausch, Abstimmung und Mitarbeit an internationalen Standards

In der Europäischen Union arbeitet der Bundesrechnungshof mit den ORKB der anderen Mitgliedstaaten und dem ERH im Kontaktausschuss der Präsidentinnen und Präsidenten der ORKB (EU-Kontakt­ausschuss) zusammen. Dessen Aktivitäten erstrecken sich u. a. auf den Austausch von Erfahrungen bei der Prüfung von EU-Mitteln, von prüfungsrelevantem Fachwissen sowie von Informationen zu aktuellen Entwicklungen im EU-Finanzmanagement.

Der EU-Kontaktausschuss unterstützt die ORKB maßgeblich dabei, die für die externe Finanzkontrolle relevanten EU-Themen zu identifizieren und zu bearbeiten. Derzeit diskutieren die ORKB beispielsweise die Bestrebungen der EU-Kommission zur Einführung von EPSAS in den Mitgliedstaaten.

Weltweit haben sich die ORKB von 191 Staaten – darunter auch der Bundesrechnungshof – in der Internationalen Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden (INTOSAI)[4] zusammengeschlossen, um den Erfahrungsaustausch zu fördern. Die INTOSAI veröffentlicht beispielsweise fachliche Standards und Leitfäden zu verschiedenen Themen der externen Finanzkontrolle, wie die Internationalen Normen für Oberste Rechnungskontrollbehörden (ISSAI).[5]

Der Bundesrechnungshof beteiligt sich in der INTOSAI an der Weiterentwicklung der ISSAI zur Prüfung der Rechnungsführung und zur Wirtschaftlichkeitsprüfung. Daneben engagiert er sich in Facharbeitsgruppen u. a. zur Prüfung von Korruptionsprävention und zur Reform des Regulierungsrahmens der Finanzmärkte.

Eine von sieben Regionalorganisationen der INTOSAI ist die Europäische Organisation der ORKB (EUROSAI)[6]. Die EUROSAI hat 50 Mitglieder und beschäftigt sich in verschiedenen Arbeitsgruppen mit der Prüfung von übergreifenden Themen, wie Informationstechnik, Umweltschutz und Katastrophenhilfe. Der Bundesrechnungshof hat den Vorsitz der Arbeitsgruppe, die die Anwendung der von der INTOSAI entwickelten internationalen Normen für ORKB in Europa fördern soll. Er ist außerdem in den EUROSAI-Arbeits­gruppen zur Prüfung von IT-Maßnahmen und von Projekten im Umweltschutz vertreten und arbeitet in einer Task Force zum Thema Prüfung und Ethik mit.

5.3      Gezielte Unterstützung und Schulung von Rechnungshöfen

Der Bundesrechnungshof unterstützt ORKB anderer Länder beim Ausbau ihrer Kompetenzen durch Beratungen, Schulungen, Studienbesuche und Seminare. In EU-Twinning-Projekten unterstützt er EU-Beitrittskandidatenländer und europäische Nachbarstaaten dabei, die Fachkompetenzen ihrer ORKB auszubauen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist ein zweijähriges Twinning-Projekt des Bundesrechnungshofes und des polnischen Rechnungshofes mit dem georgischen Rechnungshof, das im Oktober 2016 erfolgreich abgeschlossen wurde.

Der Bundesrechnungshof unterstützt die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung in Angelegenheiten der externen Finanzkontrolle. Er ist fachlich an einem Projekt der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit dem georgischen Rechnungshof beteiligt. Bis Dezember 2015 engagierte er sich zudem in einem Projekt der GIZ zur Unterstützung des tansanischen Rechnungshofes.

 

6 Haushalt und Personal (Einzelplan 20)

6.1      Überblick

Im Haushaltsjahr 2015 betrugen die Gesamtausgaben des Bundesrechnungshofes 135,0 Mio. Euro. Die Ausgaben des Einzelplans 20 hatten damit einen Anteil von 0,04 % an den Gesamtausgaben des Bundeshaushalts.

6.2      Haushaltsstruktur und -entwicklung

Der Einzelplan 20 ist aufgrund der sehr personalintensiven Prüfungs- und Beratungstätigkeit durch einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Personalausgaben gekennzeichnet. Im Jahr 2015 machten sie mit 117,0 Mio. Euro annähernd 87 % der Gesamtausgaben aus. Davon entfielen zwei Drittel auf die aktiven Beschäftigten (81,3 Mio. Euro) und ein Drittel auf die Versorgungsberechtigten (34,1 Mio. Euro) sowie auf Zahlungen an die beiden Sondervermögen „Versorgungsfonds des Bundes“ und „Versorgungsrücklage des Bundes“ (5,8 Mio. Euro).

Die übrigen Haushaltsmittel im Einzelplan 20 wurden überwiegend für die Anmietung und Bewirtschaftung der Liegenschaften (6,8 %), für die Informationstechnik (2,1 %) und für Dienstreisen (1,7 %) eingesetzt.

Tabelle 1
Übersicht über den Einzelplan 20
Bundesrechnungshof

 

2015

Soll

2015

Ist

Abweichung

Ist/Solla

2016

Soll

2017

Soll

Verän-
derung

 2016/ 2017a

in Mio. Euro

in %

Ausgaben des Einzelplans          

141,5

135,0

-6,5

148,6

150,9

1,6

darunter:

 

 

 

 

 

 

  • Personalausgabenb,
    davon für

121,5

117,0

-4,5

127,4

126,8

-0,4

–     aktive Beschäftigte

81,3

77,0

-4,3

84,1

83,1

-1,2

–     Versorgungsberechtigte

34,7

34,1

-0,6

36,1

36,7

1,6

–     Versorgungsfonds, Versorgungsrücklagec

5,5

5,8

0,4

7,2

7,0

-1,7

  • Mieten und Bewirtschaftung der Liegenschaften

9,5

9,2

-0,3

9,5

10,6

10,9

  • Informationstechnik (IT)

4,3

2,9

-1,4

4,7

4,1

-12,1

  • Dienstreisen

2,7

2,4

-0,3

3,3

4,7

44,2

Einnahmen des Einzelplans

0,0

1,3

1,3

1,7

4,2

248,6

Verpflichtungsermächtigungend

0,0

0,0

0,0

0,4

12,0

3 429,1

 

Planstellen/Stellen

in %

Personal

1 313

1 172e

-141

1 336

1 311

-1,9

 

Erläuterungen:   a Aus den Ursprungswerten berechnet; Rundungsdifferenzen möglich.

                                    b Hauptgruppe 4 einschließlich Zuweisungen an den Versorgungsfonds (Titel 634 03).

                                    c Zuweisungen an den Versorgungsfonds (Titel 634 03), Zuführungen an die Versorgungsrücklage (Titel 424 01, 434 57).

                                     d Einschließlich über- und außerplanmäßiger Verpflichtungsermächtigungen.

                                      e   Ist-Besetzung am 1. Juni.

Quelle: Einzelplan 20. Für das Jahr 2015: Haushaltsrechnung; für die Jahre 2016 und 2017: Haushaltsplan.

 

Im Jahr 2015 gab der Bundesrechnungshof 6,5 Mio. Euro weniger aus als vorgesehen; hiervon entfielen im Wesentlichen 4,5 Mio. Euro auf das Personal und 1,4 Mio. Euro auf die Informationstechnik.

Für das Jahr 2017 sind im Einzelplan 20 Ausgaben von 150,9 Mio. Euro veranschlagt; das sind 2,3 Mio. Euro mehr als im Jahr 2016. Dies ist vor allem auf Mehrausgaben im Personalbereich zurückzuführen.

Der Bundesrechnungshof erzielte im Jahr 2015 Einnahmen von 1,3 Mio. Euro. Im Wesentlichen waren das

  • Pauschalabgeltungen von Versorgungsansprüchen, die die Länder und Kommunen bei einer Übernahme von Beamtinnen und Beamten in den Bundesdienst zu zahlen haben sowie
  • Erstattungen von internationalen Einrichtungen, für die vom Bundesrechnungshof wahrgenommenen Abschlussprüfungsmandate.


Ab dem Jahr 2017 sollen die Einnahmen auf 4,2 Mio. Euro steigen. Dies hängt damit zusammen, dass die Vereinten Nationen dem Bundesrechnungshof Erstattungsleistungen für die Übernahme der Prüftätigkeit im UN BoA gewähren.

6.3      Wesentliche Ausgabenbereiche

6.3.1   Personal
Am 1. Juni 2015 waren im Geschäftsbereich des Bundesrechnungshofes 1 172 von 1 313 Planstellen und Stellen besetzt. Die relativ hohe Anzahl von unbesetzten Planstellen und Stellen in den damaligen Prüfungsämtern des Bundes ist Ausdruck des Umbruchs, in dem sich die externe Finanzkontrolle des Bundes derzeit befindet. So fanden, bedingt durch die absehbare Auflösung der Prüfungsämter des Bundes als eigenständige Behörden, Einstellungen zuletzt nahezu ausnahmslos in Bonn oder Potsdam statt. Auf der Grundlage der am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Struktur­reform wird der Bundesrechnungshof beurteilen, wie sich der Personalkörper weiter entwickeln soll.

Mit Blick auf zusätzliche Herausforderungen im internationalen Umfeld hat der Stellenplan des Bundesrechnungshofes für das Haushaltsjahr 2016 einen Aufwuchs erfahren, insbesondere, weil der Bundesrechnungshof seit dem 1. Juli 2016 im UN BoA vertreten ist. Die Übernahme dieses Prüfungsmandats liegt im besonderen Interesse des Bundes als einer der Hauptbeitragszahler an die Vereinten Nationen. Der Deutsche Bundestag hat hierfür insgesamt 25 – auf sieben Jahre befristete – Planstellen bereitgestellt.

Die mit der Prüftätigkeit einhergehende finanzielle Mehrbelastung für den Bundeshaushalt (u. a. Personalausgaben, Auslandsreisekosten, IT-Ausstattung) wird durch die Erstattungsleistungen der Vereinten Nationen überwiegend kompensiert.

Nach Auflösung der bislang eigenständigen Prüfungsämter des Bundes mit Ablauf des 31. Dezembers 2016 wurde das Personal vollständig in den Bundesrechnungshof übernommen. Der Stellenhaushalt im Kapitel 2012 wächst hierdurch im Jahr 2017 um zwei Drittel. Zwar führt die Schaffung einer einstufigen Finanzkontrolle des Bundes zu zusätzlichen Personalausgaben (Zulage für Beschäftigte von obersten Bundesbehörden, Anpassung des Stellenkegels). Diese Mehrausgaben werden jedoch durch Einsparungen beim Personal vollständig kompensiert. So sind im Haushalt 2017 insgesamt 25 Planstellen weggefallen; hiervon allein 24 aufgrund der Strukturreform.

 

Tabelle 2

Planstellen und Stellen des Bundesrechnungshofes
und der Prüfungsämter des Bundes

 

2015

Soll

2015

Ist

Abweichung

Ist/Soll

2016

Soll

2017

Soll

Verän-
derung

 2016/ 2017

Planstellen/Stellen

Anzahl

in %

Insgesamt

1 313

1 172a

-141

1 336

1 311

-1,9

davon:

 

 

 

 

 

 

  • Bundesrechnungshof

756

702

-54

789

1 311

66,2

  • Prüfungsämter des Bundes

557

470

-87

547

 

 

Erläuterung:  a    Ist-Besetzung am 1. Juni.

Quelle: Einzelplan 20. Für das Jahr 2015: Haushaltsrechnung; für die Jahre 2016 und 2017: Haushaltsplan.

6.3.2   Liegenschaften
Für seine Liegenschaften an bundesweit neun Standorten gab der Bundesrechnungshof im Jahr 2015 insgesamt 9,2 Mio. Euro aus. Die für das Jahr 2017 erwartete Steigerung auf 10,6 Mio. Euro ist zum einen Folge von Mietpreisanpassungen. Zum anderen benötigt der Bundesrechnungshof an den Standorten Bonn und Potsdam zusätzliche Büroflächen, um neu eingestellte Beschäftigte (z. B. für das UN BoA) unterzubringen. Die weiteren Anmietungen sowie die Überführung des Hauptgebäudes in Bonn in das Einheitliche Liegenschaftsmanagement machen für 2017 den Ausweis von Verpflichtungsermächtigungen im Umfang von 12,0 Mio. Euro erforderlich. Der Bundesrechnungshof plant, zum Jahresende 2017 die Außenstelle Koblenz zu schließen und den Raumbedarf der Außenstelle Frankfurt bereits Mitte 2017 deutlich zu reduzieren. Dies dient auch der Kompensation für die neuen Anmietungen.

6.4      Prüfung der Rechnung des Bundesrechnungshofes nach § 101 BHO

Die Rechnung des Bundesrechnungshofes für das Jahr 2015 hat eine Kommission des Rechnungsprüfungsausschusses des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages geprüft. Prüfungsschwerpunkte waren insbesondere die Jahresrechnung und der Haushaltsvollzug. Daneben waren auch Themen wie die Korrup­tionsprävention sowie die Vergabepraxis Gegenstand der Prüfung.

Der Deutsche Bundestag und der Bundesrat haben dem Bundesrechnungshof Entlastung erteilt.

6.5      Ausblick

Die Entwicklung der Ausgaben des Einzelplans 20 im Finanz­planungszeitraum 2016 bis 2020 ist in Tabelle 3 dargestellt.

Tabelle 3

Entwicklung der Ausgaben im Einzelplan 20

 

Soll

2016

Soll

2017

Finanzplan

2018

2019

2020

in Mio. Euro

148,6

150,9

151,1

152,5

153,0

Quelle: Einzelplan 20. Für die Jahre 2016 und 2017: Haushaltsplan; für die Jahre 2018 bis 2020: Bundesregierung.

Die Gesamtausgaben im Einzelplan 20 werden im Finanzplanungszeitraum moderat um 4,4 Mio. Euro auf 153,0 Mio. Euro steigen. Dies ist im Wesentlichen Folge zu erwartender höherer Ausgaben für die Bezüge- und Beihilfeleistungen an die Versorgungsberechtigten (2,7 Mio. Euro) sowie für die Zuweisungen an den Versorgungsfonds (1,7 Mio. Euro).

 

 


[1]    URL: http://www.bundesrechnungshof.de.

[2]    United Nations Board of Auditors; weitere Informationen im Internet unter der Adresse http://www.un.org/en/auditors/board.

[4]    International Organization of Supreme Audit Institutions; weitere Informa­tionen im Internet unter der Adresse http://www.intosai.org.

[5]    International Standards of Supreme Audit Institutions; weitere Informationen zum ISSAI-Rahmenwerk im Internet unter der Adresse http://www.issai.org.

[6]    European Organisation of Supreme Audit Institutions. Informationen zur EUROSAI sind im Internet unter der Adresse http://www.eurosai.org veröffentlicht. Weitere regionale Zusammenschlüsse der ORKB unter dem Dach der INTOSAI gibt es im afrikanischen, arabischen, asiatischen, karibischen, lateinamerikanischen und südpazifischen Raum.

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