Prüfungsergebnisse
Sie sind hier: Startseite / Prüfungsergebnisse / Produkte / Bemerkungen (Jahresberichte) / Jahresberichte / Archiv 1970 - 2014 / 2010 / Teil II Einzelne Prüfungsergebnisse / Bundesministerium der Verteidigung / 2010 Bemerkungen Nr. 25 "Unwirtschaftliche Versorgung mit Schiffskraftstoff"

Artikelaktionen

2010 Bemerkungen Nr. 25 "Unwirtschaftliche Versorgung mit Schiffskraftstoff"

Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine haben Schiffe und Boote unwirtschaftlich mit Schiffskraftstoff versorgt. Die Marine hält zuviel Lagerraum im Inland vor, nutzt private statt bundeswehreigene Tanklager und verwendet ganzjährig den teureren Winterkraftstoff.
16.11.2010

Die Marine bevorratet Schiffskraftstoff in Tanklagern und Versorgungsschiffen. Außerdem beziehen die Schiffe und Boote Schiffskraftstoff direkt von der Industrie oder verbündeten Streitkräften. Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine haben hierbei in den vergangenen Jahren mehrere Entscheidungen getroffen. Dabei hatten sie nicht untersucht, wie sich diese Entscheidungen auf die wirtschaftliche Versorgung mit Schiffskraftstoff auswirken.

  • Das Bundesverteidigungsministerium legte fest, wie die Marine den Vorrat an Schiffskraftstoff im Inland berechnen muss. Hierbei berücksichtigte es auch die jährlich im Ausland getankte Menge Schiffskraftstoff. Die Marine tankte in den vergangenen Jahren mehr als die Hälfte des Gesamtverbrauchs im Ausland. Wenn sie ausschließlich den Inlandsbedarf berücksichtigt hätte, würde sie jährlich 300 000 Euro einsparen.
  • Die Marine hält in Kiel und Wilhelmshaven ein Viertel ihrer Lagerkapazität vor, um Schiffskraftstoffe einzulagern, die von den Schiffen und Booten z. B. vor Werftliegezeiten zurückgegeben werden. Tatsächlich nimmt die Marine Kraftstoff nur in Kiel zurück.
  • Die Marine hatte entschieden, in Kiel zusätzlich 10 000 m³ Tanklager zu mieten. Grund: Das bundeseigene Tanklager in Bremen-Farge sei ungünstig gelegen. Dieses kostengünstigere Tanklager gab sie später auf. Mögliche Alternativen hatte die Marine nicht geprüft.
  • Seit dem Jahre 2008 kaufte die Marine im Inland ausschließlich teureren hochwertigen Winterschiffskraftstoff. Aus der Bevorratung nur noch einer Sorte Schiffskraftstoff sollten sich wirtschaftliche Vorteile ergeben. Diese Vorteile traten nicht ein. Zurückkehrende Schiffe bringen im Ausland getankte Schiffskraftstoffe anderer Qualität mit. Diese werden in Kiel aufbereitet und getrennt gelagert.

Das Bundesverteidigungsministerium bleibt bei seiner Auffassung, dass der Vorrat an Schiffskraftstoff zutreffend berechnet sei. Die Lagerkapazitäten, vor allem in Kiel, seien weiter erforderlich. Die ganzjährige Verwendung des Winterschiffskraftstoffes will das Bundesverteidigungsministerium jedoch überprüfen.

Nach Ansicht des Bundesrechnungshofes ist es nicht ausreichend, nur die Entscheidung für den Winterschiffskraftstoff zu überprüfen. Er erwartet vom Bundesverteidigungsministerium und von der Marine, dass sie die Bevorratung von Schiffskraftstoffen insgesamt untersuchen. Nur so können sie wirtschaftliche Lösungen finden.

© 2019 Bundesrechnungshof