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2012 Bemerkungen Nr. 63 "Bundeswehr sollte Erwerb von Luftkissenfahrzeugen nicht weiter verfolgen"

Seit über zehn Jahren hat die Bundeswehr versucht, Luftkissenfahrzeuge zu beschaffen, die nicht notwendig sind. Zwei bereits zur Erprobung gekaufte Luftkissenfahrzeuge hielt sie für ungeeignet. Vom Kauf eines dritten Luftkissenfahrzeuges ist sie zurückgetreten und will andere Lösungen suchen. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen sollte die Bundeswehr endgültig auf den Erwerb verzichten.
13.11.2012

Die Bundeswehr plante ab dem Jahr 2000 den Kauf von 65 amphibischen Luftkissenfahrzeugen für 20 Mio. Euro für ihre Landstreitkräfte. Sie beschaffte nacheinander zwei verschiedene Luftkissenfahrzeuge zur Erprobung, welche die Anforderungen jedoch beide nicht erfüllten. Daraufhin reduzierte sie die ursprünglichen Anforderungen. Auch ein drittes Luftkissenfahrzeug überzeugte nicht. Der australische Hersteller wollte das Luftkissenfahrzeug über einen im Bootshandel unerfahrenen Gebrauchtwagenhändler in Deutschland vertreiben. Bis Mitte des Jahres 2012 war das Luftkissenfahrzeug noch immer nicht funktionsfähig. Die Bundeswehr ist daher inzwischen vom Vertrag zurückgetreten. Bis dahin hatte sie schon über 1,1 Mio. Euro für Ankauf und Erprobung der beiden ungeeigneten Luftkissenfahrzeuge ausgegeben.

Der Bundesrechnungshof stellte fest, dass die letztlich erfolglose Beschaffung von Luftkissenfahrzeugen nicht notwendig war. Sie hat zwölf Jahre gedauert und führte zu einem erheblichen Verwaltungsaufwand. Der Zeitablauf spricht dafür, dass es der Bundeswehr nicht so dringlich war, die bisherigen Sturmboote zu ersetzen. Sie nutze im gesamten Zeitraum andere Alternativen zur Gewässerüberquerung. Durch die schrittweise reduzierten Anforderungen konnte der ursprünglich beabsichtigte Nutzen ohnehin mit keinem Luftkissenfahrzeug erreicht werden.

Insbesondere bei der Beschaffung des dritten Luftkissenfahrzeuges war nicht erkennbar, dass sich die Bundeswehr von der Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit und Fachkunde des australischen Herstellers und des deutschen Händlers überzeugt hatte. Der Bundesrechnungshof hat dem Bundesverteidigungsministerium geraten, auf den Kauf von Luftkissenfahrzeugen zu verzichten.

Das Bundesverteidigungsministerium hat planerische und technische Schwierigkeiten eingeräumt. Es hat das Projekt storniert, um nach neuen Lösungen zu suchen.

Der Bundesrechnungshof sieht sich in seiner Auffassung bestätigt, dass die Luftkissenfahrzeuge weder geeignet noch notwendig sind. Er erwartet, dass die Bundeswehr den Kauf oder die Entwicklung von Luftkissenfahrzeugen nicht weiter verfolgt. Darüber hinaus hält er diesen Fall für beispielhaft, um zukünftige Rüstungsprojekte mit einem sachgerechten Vorhabencontrolling zu verbessern.

 

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