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2012 Bemerkungen Nr. 64 "Herstellung pharmazeutischer Produkte durch die Bundeswehr zu teuer"

Die Bundeswehr stellt in eigenen Apotheken pharmazeutische Produkte her. Sie soll nach ihren eigenen Vorgaben vorrangig solche Produkte selbst herstellen, die auf dem freien Markt nicht oder nur begrenzt verfügbar sind. Würde die Bundeswehr konsequent auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Versorgung mit pharmazeutischen Produkten achten, könnte sie auf die Herstellung gängiger Produkte im industriellen Maßstab verzichten.
13.11.2012

Die Bundeswehr stellt für ihre Soldatinnen und Soldaten in ihren Krankenhausapotheken pharmazeutische Produkte in kleinerem Maßstab her, wie z. B. Schmerztabletten oder Hautpflegemittel. In Ulm und Koblenz hält sie eigene Kapazitäten zur Serienproduktion von Tabletten, Salben und sterilen Lösungen vor (Herstellung im industriellen Maßstab). Dafür investierte sie 19,8 Mio. Euro in einen Apotheken-Neubau in Ulm.

Der Bundesrechnungshof stellte fest, dass die industrielle Herstellung pharmazeutischer Produkte aus marktgängigen Artikeln bestand. Sie umfasste neben Schmerztabletten, Hustentropfen und Nasenspray hauptsächlich Sonnencreme, Lippenschutzstifte und Insektenschutzmittel. Nur 10 % davon benötigten die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan und im Kosovo.

Die Bundeswehr kalkulierte bei der wirtschaftlichen Ausrichtung ihrer Apotheken nicht mit den tatsächlichen, sondern mit zu niedrigen Herstellungskosten. Dadurch wurde nicht deutlich, dass die von ihr industriell hergestellten Produkte zu teuer sind und rechnerisch zu einem Defizit von mehreren Millionen Euro jährlich führten. Sie könnte kosmetische Mittel wie Sonnencreme bei der pharmazeutischen Industrie zu Preisen unter ihren eigenen Herstellungskosten einkaufen.

Der Bundesrechnungshof hat dem Bundesverteidigungsministerium empfohlen, die Herstellung pharmazeutischer Produkte neu auszurichten. Sie sollte nur noch solche pharmazeutische Produkte im industriellen Maßstab herstellen, die am Markt nicht ausreichend verfügbar sind. Ihre Auswahl sollte sie regelmäßig überprüfen und die Herstellung von unbedingt notwendigen und am Markt begrenzt verfügbaren Produkten im Apotheken-Neubau am Standort Ulm konzentrieren. Dafür sollte sie Kapazitäten in Koblenz abbauen.

Das Bundesverteidigungsministerium hat angekündigt, die gesamte Prozesskette der Herstellung von pharmazeutischen Produkten zu untersuchen. Dabei wolle es auch prüfen, ob die Eigenherstellung aus wirtschaftlicher, zulassungsrechtlicher, technologischer und in­frastruktureller Sicht sinnvoll und möglich ist.

Der Bundesrechnungshof hält es weiterhin grundsätzlich nicht für notwendig, dass die Bundeswehr pharmazeutische Produkte im industriellen Maßstab selbst herstellt, die am Markt ausreichend verfügbar sind.

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