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2013 Bemerkungen Nr. 53 "Bundeswehr hat bis heute keine moderne Materialverfolgung im Einsatz"

Seit den 1990er-Jahren hat die Bundeswehr wiederholt versucht, ein wirksames Materialverfolgungssystem einzuführen, bislang ohne Erfolg. 5 Mio. Euro hat sie zuletzt in ein eigenständiges IT-System für den Afghanistaneinsatz investiert, das sich als nicht praktikabel herausstellte. Für über 8 Mio. Euro will sie nun einen zivilen Betreiber nur mit der Überwachung des Materialrückflusses aus Afghanistan beauftragen. Die Effizienz der Materialbewirtschaftung der Bundeswehr bleibt trotzdem weiter eingeschränkt.
10.12.2013

Die Bundeswehr muss zur Erfüllung ihres Auftrags Material weltweit bewegen und verfolgen. Ein System zur Materialverfolgung soll dabei den Materialfluss von der Übernahme bis zum Verbrauch oder der Aussonderung elektronisch abbilden. Der Bundesrechnungshof stellte wiederholt fest, dass die Bundeswehr insbesondere bei Auslandseinsätzen die notwendige Transparenz beim Transport von Material nicht sicherstellen konnte. Zuletzt prüfte er im Jahr 2012 mit Unterstützung des Prüfungsamtes des Bundes München die Materialverfolgung der Bundeswehr.

Im Jahr 2000 hatte die Bundeswehr entschieden, ihre betriebswirtschaftliche Standardsoftware (SASPF) auch für ihre Materialbewirtschaftung einzuführen. Seitdem stattet sie ausgewählte logistische Dienststellen im Inland mit entsprechenden Systemen aus. Diese unterstützen bislang jedoch lediglich die Depotverwaltung. Versand- und Transportwege bilden sie nicht ab.

Für die Materialversorgung der Auslandskontingente in Afghanistan beschaffte die Bundeswehr im Jahr 2004 für 5 Mio. Euro ein Materialverfolgungssystem. Dabei beteiligte sie sich nicht an dem Verfahren anderer NATO-Mitgliedstaaten. Die Bundeswehr wollte das System später in SASPF integrieren. Die hierfür eingeplanten Haushaltsmittel von mehr als 12 Mio. Euro gab sie für andere Teilprojekte aus. Da weitere Investitionen nötig gewesen wären, entschied die Bundeswehr, das System ab dem Jahr 2011 nicht mehr zu nutzen. Für die Materialrückführung aus dem Afghanistaneinsatz will sie sich nun von einem gewerblichen Dienstleister unterstützen lassen. Für insgesamt 8 Mio. Euro soll dieser mit seiner eigenen Technik die Materialverfolgung von etwa 4 800 Containern und 1 200 Fahrzeugen nach Deutschland sicherstellen.

Der Bundesrechnungshof hat die bisherigen Schritte der Bundeswehr zur Verbesserung ihrer Materialverfolgung als unkoordiniert und unzureichend bewertet. Er hält es für dringend geboten, dass die Bundeswehr schnellstmöglich ein Materialverfolgungssystem in SASPF integriert. Sonderlösungen ohne Einbindung in das logistische System der Bundeswehr hält der Bundesrechnungshof für unwirtschaftlich. Erst durch eine integrierte Materialbewirtschaftung sind die Investitionen langfristig von Vorteil.

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