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2014 Bemerkungen Nr. 51 "Sanitätsdienst: Bundeswehr will für Transparenz bei der Verschreibung von Physiotherapie sorgen"

Die Bundeswehr will für Transparenz bei der Verschreibung von Physiotherapie sorgen. Zudem beabsichtigt sie, die Effizienz der eigenen physiotherapeutischen Einrichtungen zu erhöhen. Sie wird dabei Empfehlungen des Bundesrechnungshofes umsetzen, der Ursachen für den starken Anstieg der Ausgaben für Physiotherapien aufgezeigt hat.
02.12.2014

Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr erhalten im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung auch physiotherapeutische Behandlungen. Hierfür verfügt die Bundeswehr über eigene Einrichtungen. Die Soldatinnen und Soldaten können aber auch von zivilen Therapeuten behandelt werden, wenn ihnen dies verschrieben wird. Die jährlichen Ausgaben für Behandlungen durch zivile Therapeuten stiegen in den Jahren 2002 bis 2012 von 14 auf 23 Mio. Euro. Weil die Truppenstärke abnahm, entspricht dies einer Steigerung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausgaben auf mehr als das Doppelte.

Der Bundesrechnungshof ging den Ursachen für diese Ausgabenentwicklung nach. Er stellte fest:

  • Bei der Bundeswehr gibt es im Unterschied zum zivilen Gesundheitssystem kaum Vorgaben zur Verschreibung von Physiotherapie. Die Ärztinnen und Ärzte der Bundeswehr dürfen auf einem Rezept eine beliebige Zahl von Heilmitteln, z. B. Massagen, verschreiben und unbegrenzt Folgerezepte ausstellen. Von diesen Möglichkeiten machten sie in hohem Maße Gebrauch.
  • Obwohl bei der Bundeswehr die Verschreibung und Abrechnung von Leistungen in einer Hand liegen, war dem BMVg die Verschreibungspraxis nicht bekannt. Die Bundeswehr verfügt über kein IT-Verfahren, mit dem sie Verschreibungen systematisch auswerten und kontrollieren könnte.
  • Anders als im zivilen Gesundheitssystem sieht der Rezeptvordruck der Bundeswehr nicht vor, einen Bericht über den Therapieverlauf anzufordern. Die Entscheidung über die Fortführung oder den Wechsel einer Therapie treffen die Ärztinnen und Ärzte der Bundeswehr daher häufig ohne gesicherte Erkenntnisse zum bisherigen Verlauf.
  • Für die bundeswehreigenen physiotherapeutischen Einrichtungen gibt es keine Organisations- und Leistungsvorgaben. Sie führen wesentlich weniger Behandlungen als zivile Physiotherapiepraxen durch.

Auf Empfehlung des Bundesrechnungshofes will das BMVg für Transparenz bei der Verschreibung von Physiotherapie sorgen. Es werde das Verordnungsverfahren und die Kontrollmöglichkeiten verbessern. Die administrativen und medizinischen Prozesse sollen IT-unterstützt werden. Im Übrigen werde die Bundeswehr auch die eigenen physiotherapeutischen Kapazitäten überprüfen und ggf. anpassen.

Der Bundesrechnungshof wird beobachten, ob die Bundeswehr die angekündigten Maßnahmen zügig umsetzt.

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