Prüfungsergebnisse
Sie sind hier: Startseite / Prüfungsergebnisse / Produkte / Bemerkungen (Jahresberichte) / Jahresberichte / 2015 - Weitere Prüfungsergebnisse / Einzelplanbezogene Prüfungsergebnisse / Bundesministerium der Verteidigung / 2015 Bemerkungen - Weitere Prüfungsergebnisse Nr. 07 "Bundeswehr betreibt teure Studiensammlung ohne tragfähiges Konzept"

Artikelaktionen

2015 Bemerkungen - Weitere Prüfungsergebnisse Nr. 07 "Bundeswehr betreibt teure Studiensammlung ohne tragfähiges Konzept"

Nach eigener Einschätzung hat die Bundeswehr ihre Wehrtechnische Studiensammlung nicht ordnungsgemäß und nicht zeitgemäß betrieben. Der Betrieb kostet mindestens 3,7 Mio. Euro pro Jahr. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages hatte das BMVg bereits im Jahr 2010 aufgefordert zu entscheiden, ob ein Bedarf für die Studiensammlung besteht und ob diese weitergeführt werden soll.
20.04.2016

Die Bundeswehr betreibt seit über 50 Jahren eine Wehrtechnische Studiensammlung (Studiensammlung). Diese verfügt über 22 000 Sammlungsgegenstände zur Entwicklung von Wehrtechnik, Waffen und Ausrüstung. Einen kleinen Teil davon präsentiert sie in einer Ausstellung, die auch öffentlich zugänglich ist. Die Studiensammlung gehört mittlerweile zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (Bundesamt). Im Oktober 2015 hat das Bundesamt bestätigt, dass die Studiensammlung nicht mehr zeitgemäß betrieben werde. Sie erwecke den Eindruck eines „begehbaren Depots“. Die Auflösung der Studiensammlung würde nach den Berechnungen des Bundesamtes sieben Jahre dauern und 30,9 Mio. Euro kosten.

Das Bundesamt hat dem BMVg jedoch die Fortführung der Studiensammlung empfohlen. Sie sei unverzichtbar. Eine Machbarkeitsstudie belege ihre Ausnahmestellung. Künftig solle die Studiensammlung mit einer neuen Konzeption u. a. die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft fördern und die Nachwuchsgewinnung sowie das Wissensmanagement der Bundeswehr unterstützen. Detaillierte Konzepte zur inhaltlichen und didaktischen Gestaltung von Sammlung und Ausstellung müssten ebenso noch erstellt werden, wie Organisations-, Betriebs- und Personalkonzepte. Zudem müsse ein neues Ausstellungsgebäude errichtet werden. Das Personal müsse verdreifacht werden. Die Fortführung der Studiensammlung würde nach Angaben des Bundesamtes in den nächsten sieben Jahren insgesamt mindestens 68,3 Mio. Euro kosten, darunter einmalige Kosten von mindestens 34,9 Mio. Euro. Danach würden Betriebskosten von jährlich 4,8 Mio. Euro anfallen.

Der Bundesrechnungshof hält die Studiensammlung für entbehrlich. Er beanstandet, dass sie noch immer ohne tragfähiges Konzept betrieben wird. Für eine Auflösung sprechen schon die vom Bundesamt berechneten 37 Mio. Euro Mehrkosten für die Weiterführung. Nach Berechnungen des Bundesrechnungshofes wäre die Weiterführung sogar 60 Mio. Euro teurer als die Auflösung.

Das BMVg muss nun entscheiden, ob es für über 60 Mio. Euro Mehrkosten eine neue Studiensammlung aufbauen will, die dauerhaft 4,8 Mio. Euro pro Jahr kosten soll und deren Konzept und Nutzen noch immer unklar sind.

© 2019 Bundesrechnungshof