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2017 Bemerkungen - Ergänzungsband Nr. 02 "Bund könnte 6,7 Mio. Euro bei Tunnelbau einsparen"

Das BMVI plant, beim sechsstreifigen Ausbau der Bundesautobahn A 8 den Tunnel Frasdorf mit Seitenstreifen zu bauen. Die Seitenstreifen sind jedoch nicht erforderlich. Ein schmalerer Sonderquerschnitt ohne Seitenstreifen würde ausreichen, um den Verkehr sicher zu bewältigen. Das BMVI könnte 6,7 Mio. Euro einsparen.
24.04.2018

In Höhe der Ortschaft Frasdorf plant das BMVI eine 590 m lange Lärmschutzeinhausung (Tunnel). Diese soll über zwei Tunnelröhren mit je drei Fahrstreifen und einem Seitenstreifen verfügen. Das BMVI begründet die Seitenstreifen mit der Verkehrsführung in Bauzeiten: Der gesamte Verkehr könne dann mit je zwei Fahrstreifen pro Fahrbahn in einer Tunnelröhre geführt werden (4+0-Verkehrsführung). Ab dem Jahr 2030 werden durchschnittliche Verkehrsbelastungen von 65 000 Kfz pro Tag erwartet. Die Spitzenbelastungen sollen dann im Bereich des Tunnels Frasdorf bei bis zu 110 000 Kfz pro Tag liegen.

Der Bundesrechnungshof hat den Bau der beiden Seitenstreifen für verzichtbar gehalten. Er hat dem BMVI den Bau eines Sonderquerschnitts mit 12,00 m Fahrbahnbreite ohne Seitenstreifen empfohlen. Dieser Sonderquerschnitt ermöglicht in Bauzeiten eine regelkonforme und verkehrssichere 4+0-Verkehrsführung. Die Baukosten ließen sich so um mindestens 6,7 Mio. Euro reduzieren. Der Bundesrechnungshof hat dem BMVI zudem vorgeschlagen, diesen Sonderquerschnitt in das bundesweite Regelwerk zu übernehmen.

Das BMVI hat eingeräumt, dass mit dem Sonderquerschnitt  eine 4+0-Verkehrsführung in Baustellen möglich sei. Es plane, den Sonderquerschnitt künftig bundesweit als Regellösung für 4+0-Verkehrsführungen in Tunneln vorzugeben. Das BMVI sieht im Tunnel Frasdorf jedoch einen Einzelfall. Es hält den größeren Querschnitt mit Seitenstreifen ausnahmsweise für vertretbar. Es verweist auf die verkehrliche Spitzenbelastung von 110 000 Kfz pro Tag während der Bauzeit. Diese sei mit einem größeren Querschnitt verkehrssicherer abzuwickeln. Eine reduzierte Fahrbahnbreite würde zudem Planänderungen erfordern und den Planfeststellungsbeschluss verzögern.

Der Bundesrechnungshof hält daran fest, dass der Sonderquerschnitt für den Bau des Tunnels Frasdorf ausreichend ist. Nach den Richtlinien für den Bau von Tunneln ist ein sechsstreifiger Querschnitt mit Seitenstreifen nicht zweckmäßig. Die Richtlinie knüpft nicht an die Spitzenbelastung an, sondern an die durchschnittliche Verkehrsbelastung. Erst oberhalb einer durchschnittlichen Verkehrsbelastung von 110 000 Kfz pro Tag ist danach ein Seitenstreifen vorzusehen. Die hier prognostizierte durchschnittliche Verkehrsbelastung von 65 000 Kfz pro Tag ist mit dem Sonderquerschnitt verkehrssicher zu bewältigen.

Auch wenn das Planfeststellungsverfahren bereits fortgeschritten ist, sollte das BMVI nicht auf eine Umplanung verzichten. Entgegen der ursprünglichen Annahme des BMVI verzögert sich der Planfeststellungsbeschluss wegen zahlreicher Einwendungen voraussichtlich bis Ende 2018. Die Umplanung des Fahrbahnquerschnittes dürfte vor diesem Hintergrund nicht besonders ins Gewicht fallen.

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