05.04.2022  |   Bemerkung

Jeder vierte Zug im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG verspätet – keine Trendwende bei der Pünktlichkeit

Der Bund nimmt als Eigentümer der Deutschen Bahn AG (DB AG) seit Jahren hin, dass viele Züge des Fernverkehrs unpünktlich fahren. Das BMDV hat bisher nicht ausreichend darauf hingewirkt, dass die DB AG die Pünktlichkeit des Fernverkehrs steigert.

Im Jahr 2020 erreichte fast jeder fünfte Zug im Fernverkehr mit Verspätung sein Ziel, obwohl wegen der Corona-Pandemie das Schienennetz schwächer ausgelastet und deutlich weniger Reisende unterwegs waren. In den Vorjahren und im Jahr 2021 lag der Anteil verspäteter Züge noch höher. So war im Jahr 2021 sogar jeder vierte Zug unpünktlich. Dabei erfasst die DB AG nur Verspätungen ab sechs Minuten in ihrer Statistik. Zugausfälle berücksichtigt diese Statistik nicht. Dadurch kann die DB AG ihre Pünktlichkeitsstatistik rechnerisch verbessern, ohne dass der Fernverkehr für die Reisenden tatsächlich zuverlässiger wird. Die Reputation der DB AG leidet seit Jahren unter diesen Fehlentwicklungen. Zudem läuft dies dem grundgesetzlichen Gewährleistungsauftrag des Bundes zuwider.

Im Vergütungssystem der DB AG stellt die Pünktlichkeit im Fernverkehr ein Kriterium für Bonuszahlungen an die Vorstandsmitglieder dar. Dabei waren die vereinbarten Pünktlichkeitsziele jedoch nur wenig ambitioniert und so nicht dazu geeignet, die Pünktlichkeit entscheidend zu verbessern.

Es ist verkehrs- und klimapolitisches Ziel des Parlaments und der Bundesregierung, Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Eine deutlich verbesserte Pünktlichkeit kann dazu beitragen, dies zu erreichen.

Das BMDV muss über den Aufsichtsrat dafür Sorge tragen, dass die DB AG die Pünktlichkeit des Fernverkehrs nachhaltig steigert. Die bisher intransparente Statistik sollte auch ausgefallene Züge umfassen. Das Vergütungssystem der DB AG muss den Vorständen geeignete Anreize setzen, um die Pünktlichkeit tatsächlich zu verbessern.