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2018 Bericht - Bau des Beschleunigerkomplexes „FAIR“ in Darmstadt - Aktueller Stand und Risiken des FAIR-Projekts nach Baubeginn

18.12.2018

0 Zusammenfassung
0.1
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das wissenschaftliche Großprojekt FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research). Der Beschleunigerkomplex soll die Anlagen der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH (GSI) in Darmstadt erheblich erweitern und innovative wissenschaftliche Experimente ermöglichen. Bauherr und Zuwendungsempfänger ist die FAIR GmbH, deren Gesellschafter neben dem Bund das Land Hessen und neun Partnerstaaten sind. Das Projekt FAIR ist untergliedert in die vier Teilprojekte Bau, Beschleuniger, Experimente sowie Personal und Verwaltung.

0.2
Im Jahr 2015 hatte eine unabhängige Expertengruppe das Projekt FAIR begutachtet. Diese stellte fest, dass die Gesamtkosten um 248 Mio. auf 1 357 Mio. Euro (Preisstand 2005) gestiegen seien und mit erheblichen Verzögerungen zu rechnen sei. Dennoch rechtfertige der zu erwartende wissenschaftliche Nutzen eine Fortführung des Projekts. Die Gesellschafter der FAIR GmbH beschlossen daraufhin, die Mehrkosten zu übernehmen und das Projekt in zwei Realisierungsphasen umzusetzen. Nach aktueller Planung können mit der Realisierungsphase 1 sieben Experimente betrieben werden. Mit Realisierungsphase 2 kämen sieben weitere hinzu. FAIR soll im Jahr 2025 in Betrieb gehen. (Nummern 1.2 und 1.3).

0.3
Der Bau des Beschleunigerringes von FAIR begann im Juli 2017. Seitdem haben sich weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen konkretisiert. Hierzu haben die FAIR GmbH, das BMBF und der externe Projektbegleiter mehrfach abweichende Darstellungen vorgelegt. Schließlich bezifferte das BMBF allein die vom Bund voraussichtlich zu tragenden Mehrausgaben auf 550,5 Mio. Euro. Damit würden die Gesamtausgaben für den Bund auf 1 739 Mio. Euro steigen. Dies ist weder in der bisherigen Berichterstattung an das Parlament noch im Bundeshaushaltsplan vollständig und transparent ausgewiesen. Der Bundesrechnungshof hält es für erforderlich, dass das BMBF künftig die für FAIR veranschlagten Mittel widerspruchsfrei herleitet und erläutert (Nummer 2).

0.4
Das BMBF muss darauf hinwirken, dass das Risikomanagement bei FAIR ausgebaut und insbesondere mit einer tauglichen Software zur Analyse von Risiken ausgestattet wird. Außerdem muss sichergestellt werden, dass das Systems Engineering für die weiteren Projektphasen mit den hierfür vorgesehenen Tests und Installationsschritten umfassend zur Verfügung steht (Nummer 3).

0.5
Über das bisher vom BMBF dargestellte Maß hinaus sieht der Bundesrechnungshof weitere erhebliche Termin- und Kostenrisiken. So ist die Zahl der abgeschlossenen Verträge für die vorgesehenen Sachleistungen der FAIR-Partner (In-kind Leistungen) noch zu gering. Ungeklärt ist auch, wie die Mehrkosten für Personal und Verwaltung, die durch die Verlängerung der Projektlaufzeit entstehen, finanziert werden. Sollten sich Mehrkosten und weitere Risiken realisieren, ist nicht sichergestellt, dass mit den verfügbaren Mitteln die für die Realisierungsphase 1 notwendige Ausstattung mit Komponenten und Experimenten tatsächlich erreicht wird. Es besteht die Gefahr, dass die angestrebte einzigartige wissenschaftliche Bedeutung insbesondere vor dem Hintergrund ähnlicher Projekte in anderen Ländern nicht erreicht wird (Nummer 4).

0.6
Im 1. Quartal 2019 wird erneut eine unabhängige Expertengruppe die Kosten- und Terminsituation von FAIR bewerten. Die Gesellschafter der FAIR-GmbH wollen auf Grundlage der Ergebnisse entscheiden, in welchem Umfang FAIR realisiert und wie dies finanziert wird. Ziel muss es dabei sein zu klären, was innerhalb der bisherigen Kostenobergrenze erreichbar ist und welche Mittel ggf. zusätzlich erforderlich sind, um die Anlage in der angestrebten wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit zu bauen. Zu klären ist ferner, ob die Partner bereit sind, die erforderlichen Mehrkosten mitzutragen. Falls dies nicht der Fall ist und außerdem Zweifel bestehen, ob der wissenschaftliche Nutzen den Mitteleinsatz rechtfertigt, sollten auch Ausstiegsoptionen thematisiert werden. Das BMBF sollte in diesem Fall umgehend den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages unterrichten (Nummer 5).

0.7
Das BMBF hat die Feststellungen des Bundesrechnungshofes im Wesentlichen bestätigt und zugesagt, Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer höheren Transparenz und zu einer risikoorientierten Steuerung des FAIR-Projekts beitragen werden. Dennoch ist das Projekt weiterhin mit den vorstehend dargestellten erheblichen Risiken belastet und steht mit der externen Begutachtung im Jahr 2019 vor einer entscheidenden Weichenstellung. Das BMBF muss die weitere Entwicklung eng und zielorientiert begleiten und das Parlament zeitnah unterrichten (Nummern 6 und 7).

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