Prüfungsergebnisse
Sie sind hier: Startseite / Prüfungsergebnisse / Produkte / Prüfungsmitteilungen / 2008 / 2008 PM - Organisation des betrieblichen Gesundheitsmanagements in der mittelbaren Bundesverwaltung und bei institutionell vom Bund geförderten Einrichtungen und Zuwendungsempfängern -

Artikelaktionen

2008 PM - Organisation des betrieblichen Gesundheitsmanagements in der mittelbaren Bundesverwaltung und bei institutionell vom Bund geförderten Einrichtungen und Zuwendungsempfängern -

09.12.2008

0 Zusammenfassung
Der Bundesrechnungshof hat querschnittlich die Organisation des betrieblichen Gesundheitsmanagements (Gesundheitsmanagement) in der mittelbaren Bundesverwaltung sowie bei institutionell vom Bund geförderten Einrichtungen und Zuwendungsempfängern geprüft. Gesundheitsmanagement ist definiert als die bewusste Steuerung und Integration aller betrieblichen Prozesse mit dem Ziel, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern. 1 Im Rahmen seiner Prüfung hat der Bundesrechnungshof hierzu eine Befragung bei 55 Stellen sowie örtliche Erhebungen bei sechs Stellen durchgeführt.

0.1 Feststellungen

  • Die Einrichtungen der mittelbaren Bundesverwaltung hatten vielfach noch keine Konzepte zum Gesundheitsmanagement. Soweit Konzepte vorlagen, waren diese zum Teil nicht hinreichend fundiert. Kaum eine der geprüften Stellen hatte eindeutige und messbare Ziele für das Gesundheitsmanagement festgelegt. Auch waren die Konzepte häufig nicht hinreichend den Beschäftigten bekanntgegeben und deren Inhalte sachgerecht vermittelt worden. Es bestanden Akzeptanzprobleme bei den Beschäftigten und Führungskräften, mit der Folge, dass der Implementierungsprozess nicht selten mehrere Jahre dauerte. (Tz. 3)
  • Die Strukturen des Gesundheitsmanagements waren nicht immer effizient. Zwar waren zentrale Steuerungsgremien (Arbeitskreis Gesundheit) weit verbreitet, teilweise bestanden daneben noch weitere Arbeitskreise mit ähnlichen Aufgaben. Von Gesundheitszirkeln wurde nur wenig Gebrauch gemacht. Der Einsatz von Fachkräften für das Gesundheitsmanagement war bisher eher die Ausnahme. (Tz. 4)
  • Analyseinstrumente wie Fehlzeitenauswertungen, Gesundheitsberichte, Mitarbeiterbefragungen und Gesundheitszirkel setzten die Einrichtungen der mittelbaren Bundesverwaltung nicht im gebotenen Umfang ein bzw. stimmten die unterschiedlichen Instrumente nicht aufeinander ab. (Tz. 5.1)
  • Überwiegend wurden Maßnahmen geplant und durchgeführt, die auf das Verhalten der Beschäftigten abzielten (z. B. Rückenschule, Gesundheitstag). Den Bedarf für solche Maßnahmen hatten nur wenige Stellen durch Analysen nachgewiesen. Auch legte kaum eine Stelle messbare Ziele und Kennzahlen/Indikatoren für die Kontrolle der Zielerreichung fest. Bei der Maßnahmenplanung berücksichtigten einzelne Stellen die Eigenverantwortung der Beschäftigten für ihr Gesundheitsverhalten nur unzureichend. (Tz. 5.2)
  • Die Mehrzahl der geprüften Stellen wertete ihre Maßnahmen als Erfolg, ohne dies sachgerecht nachweisen zu können. Kennzahlenvergleiche, Vergleichsbetrachtungen vor und nach der Maßnahme sowie Kosten-Nutzen- oder Kosten-Wirksamkeits-Analysen hatte keine der Stellen durchgeführt. Auch eine Überprüfung der Strukturen und Prozesse fand (noch) nicht statt. (Tz. 5.3)


0.2 Empfehlungen
Voraussetzung für ein erfolgreiches Gesundheitsmanagement ist eine praxistaugliche konzeptionelle Grundlage. Bei der Entwicklung und Implementierung solcher Konzepte empfiehlt der Bundesrechnungshof,

  • den Bedarf an gesundheitsfördernden Maßnahmen vorher sorgfältig abzuschätzen (Tz. 3),
  • darauf aufbauend eindeutige und messbare Ziele zu definieren (Tz. 3),
  • Anlass und Ziele offen zu kommunizieren und damit für Transparenz und Akzeptanz zu sorgen (Tz. 3),
  • die Aufgaben und Zuständigkeiten des Gesundheitsmanagements eindeutig zu beschreiben, klare und transparente Strukturen zu schaffen sowie effiziente Geschäftsprozesse zu gestalten (Tz. 4),
  • die Einbindung der Führungskräfte und die Partizipation der Beschäftigten hinreichend zu bedenken (Tzn. 3 und 4),
  • das Gesundheitsmanagement als kontinuierlichen Prozess von der Analyse, über die Planung und Durchführung bis hin zur Evaluation zu definieren (Tz. 5),
  • bei der Bedarfsermittlung quantitative und qualitative Analyseinstrumente miteinander zu verknüpfen (Tz. 5.1),
  • nur Maßnahmen anzubieten, für die nachweislich ein Bedarf besteht, und bei der Planung möglichst konkrete Ziele sowie Kennzahlen/Indikatoren für die Kontrolle der Zielerreichung festzulegen (Tz. 5.2),
  • zunehmend verhältnisorientierte Maßnahmen durchzuführen und soweit verhaltensorientierte Maßnahmen angeboten werden, hierbei auch die Eigenverantwortung der Beschäftigten für ihr Gesundheitsverhalten angemessen zu berücksichtigen (Tz. 5.2) sowie
  • durch eine systematische Kontrolle den Kosten-Nutzen-Nachweis des Gesundheitsmanagements zu führen. Dabei sind nicht nur der Erfolg der durchgeführten Maßnahmen zu kontrollieren, sondern regelmäßig auch die Strukturen und Prozesse zu hinterfragen (Tz. 5.3).

 

1
Vgl. Hertel Gesundheits-Management, Düsseldorf.

© 2019 Bundesrechnungshof